Die wichtigsten Tipps zur Kapitalsuche
1. Seien Sie ehrlich. Wenn Sie die Wahrheit zu sehr beschönigen oder gar schwindeln, so kommt das früher oder später heraus und es wird dazu führen, dass Ihnen Ihre Investoren nie mehr glauben werden - auch nicht, wenn Sie dringend noch einmal Geld brauchen.
2. Seien Sie realistisch. Wenn Sie ein Produkt entwickelt haben, das ein qualifiziertes Team von drei Leuten mit einigen Monaten Aufwand nachbauen kann, dann ist eine Unternehmensbewertung von mehreren Millionen Franken einfach nicht sinnvoll.
3. Unterschätzen Sie Ihre Investoren (und im Übrigen: Auch die Kunden, Lieferanten, usw.) niemals. Sie mögen seltsame Fragen stellen, aber sie sind ganz sicher nicht dumm und haben häufig viel mehr Erfahrung als Sie.
4. Seien Sie vorsichtig mit Ihren Prognosen. Wenn Ihr Businessplan in fünf Jahren einen Umsatz von 3 Milliarden Franken ausweist, dann wird Ihnen das kaum ein professioneller Investor glauben - die Erfahrung zeigt, dass das nur sehr, sehr selten möglich ist.
5. Trainieren Sie die Präsentation lieber einmal zu viel als zu wenig. Es ist vielleicht eine der wichtigsten Präsentationen Ihres Lebens.
6. Gehen Sie für die Planung Ihres Projektes davon aus, dass schon etliche Leute auf die gleiche Idee gekommen sind. Warum haben diese das Projekt nicht realisiert? Mit anderen Worten: Was machen Sie anders, so dass Sie Erfolg haben werden, wo andere gescheitert sind?
7. Kennen Sie Ihr Gegenüber. Mit wem reden Sie? Was wissen diese Personen? Was interessiert sie?
8. Haben Sie Geduld. Wenn jemand nicht in Ihr Projekt investiert, dann kann das viele Gründe haben, von denen die meisten nichts oder wenig mit Ihnen zu tun haben: Die Branche passt nicht, die Person ist gerade nicht liquide, sie hat heute Kopfschmerzen oder hatte Streit mit dem Partner/der Partnerin, usw.
9. Holen Sie Feedback - aber nur von qualifizierten Leuten. Nehmen Sie qualifizierten Feedback ernst, denn häufig ist er fundiert.
10. Vermeiden Sie Aussagen der Art, dass sie andere Personen oder Personengruppen für dumm, langsam, naiv usw. halten. Diese sind es meistens nicht und solche Aussagen werfen ein schlechtes Licht auf Sie selbst.
Finanzierungsszene Schweiz
In der Schweiz gibt es ca. einige hundert Personen, welche mehr oder weniger täglich direkt mit Jungunternehmen zu tun haben, und vielleicht 1000 oder 2000, die gelegentlich involviert sind.
Diejenigen, welche täglich mit Jungunternehmen zu tun haben, sind:
- Coaches und Mitarbeitende des staatlichen Förderprogrammes KTI
- Betreiber von Gründer- und Technologiezentren
- Betreiber von Wettbewerben, Förderstiftungen und anderen Organisationen, welche auf Non-Profit-Basis Kapital zwischen Investoren und Jungunternehmen vermitteln, z.B. Business Angel-Versammlungen oder Anlässe für VCs
- Betreiber von professionellen "Money Finders" (Organisationen, welche entgeltlich Kapital für Jungunternehmen beschaffen)
- Sowie einige Dutzend bis Hundert professionelle, private Investoren (diese Szene ist weitgehend unorganisiert)
Wenn Sie an zwei oder mehr Anlässen mit 20 oder mehr Teilnehmern präsentiert haben, haben Sie eine gute Chance, in der Szene bereits wahrgenommen worden zu sein. Sie werden dann auf der «Watch List» einiger Personen stehen und man wird, je nach Interesse und Eindruck, nach Möglichkeiten suchen, Ihnen bei der Geldsuche zu helfen.
- Die Kapitalvermittlung ist der Zweck der Organisation und die Organisation möchte ihren Interessenten (Investoren) spannende Projekte, die im Fokus dieser Personen liegen, präsentieren, um so selbst interessant zu sein. In diesen Fällen werden Sie geringe oder keine Gebühren bezahlen müssen für die Vorbereitung und die Präsentation – je nach dem, wie die Organisation aufgestellt ist und in der Regel werden Sie keine Vermittlungsprovisionen bezahlen müssen, wenn eine Finanzierung zu Stande kommt.
- Die Kapitalvermittlung geschieht mit einem kommerziellen Interesse und die Organisation muss von der Vermittlungstätigkeit leben. In diesem Fall werden Sie einen Vertrag mit der Organisation unterschreiben müssen, welcher regelt, wie eine allfällige Kapitalvermittlung honoriert wird. Beachten Sie dabei insbesondere den Fall, dass eine Finanzierung durch eine andere Quelle als den Vermittler zu Stande kommt.
Bei den vielen Wettbewerben für Jungunternehmer, welche in der Schweiz durchgeführt werden, besteht die Jury, nicht überraschenderweise, häufig aus Personen aus dem Kreis der mehreren Hundert Personen, die sehr viel mit Jungunternehmen zu tun haben. Dies hat Vorteile: Ihr Unternehmen wird von den Leuten gesehen, die einen gewissen Einfluss haben und diese werden Ihr Unternehmen auch im Auge behalten. Aber natürlich sind damit auch Risiken verbunden: Wenn Sie beispielsweise jemanden verärgern, so kann es gut sein, dass Ihr Image unter diesem Vorfall leiden wird.
Vertrauen oder der Umgang mit der Informationsasymmetrie
Wenn Sie mit einem potentiellen Investor zusammenkommen, dann besteht eine zweiseitige "Informationsasymmetrie" (Ungleichheit des Informationsstandes): Sie wissen viel mehr über Ihr Projekt als Ihr Gegenüber. Aber Ihr Gegenüber weiss - vielleicht - viel mehr über die Branche und über erfolgreiche Geschäftsentwicklung als Sie.
Es gibt zwei grundsätzliche Methoden, mit dieser Informationsasymmetrie umzugehen: (a) volle Transparenz und (b) die Parteien gegeneinander ausspielen.
Wenn Projekte "schieflaufen", so ist der Grund dafür häufig fehlendes Vertrauen oder Misstrauen; in solchen Situationen konzentrieren sich die Parteien dann nicht selten darauf, Fehler beim anderen zu finden doe rWege zu ermitteln, wie die andere Partei "ausgebootet" werden kann.
Im Sinne einer langfristigen Zusammenarbeit ist also einzig und alleine die volle Transparenz zielführend.
Vereinbaren Sie Eskalationspartner - sehr häufig läuft bei einer engen Zusammenarbeit etwas schief, und dann ist es sinnvoll und auch keine Schande, eine zuvor vereinbarte Partei zu Hilfe zu holen.

