Für die Planung ist es sinnvoll, mindestens ein Standardszenario und ein Minimalszenario anzuschauen.
Das Standardszenario entspricht Ihrer Planung und errechnet, welche Kosten mit den erwarteten Erträgen einhergehen. Unterscheiden Sie dabei strikte zwischen variablen Kosten und fixen Kosten:
- Variable Kosten sind direkt mit dem Umsatz verbunden – wenn der Umsatz nicht eintritt, treten auch die Kosten nicht an. Um diese Kosten müssen Sie sich selten Sorgen machen. Typischerweise sind dies Kosten für die Beschaffung von Material, nachdem die Bestellungen eingetroffen sind oder zum Beispiel auch um Kosten für Teilzeitmitarbeitende, welche Sie fallweise beiziehen.
- Fixe Kosten sind mehr oder weniger unabhängig vom Umsatz oder ändern sich nur langsam mit dem Umsatz – das sind zum Beispiel die Kosten für festangestelltes Personal, Immobilien, Maschinen usw.
Im Minimalszenario geht man davon aus, dass kaum oder keine Umsätze erzielt werden und dass das Unternehmen überleben soll – die typische Situation bei Gründung und Aufbau des Unternehmens. Die Fixkosten fallen in dieser Situation an, während geringe variable Kosten entstehen; aber es gibt keine Umsätze, welche die Fixkosten decken könnten. Es muss also genügend Liquidität vorhanden sein, um diese Fixkosten für die Firmengründung, den Markteintritt und den Marktaufbau bis zum Erreichen der Break-Even-Schwelle vorzufinanzieren.
Besonders, wenn Sie in einer produzierenden Branche tätig sind und Material vor dem Verkauf an den Kunden beschaffen müssen, kann es sich lohnen, ein Maximalszenario zu rechnen, denn Sie werden die Arbeitsmaterialien vorfinanzieren müssen. Das Maximalszenario kann erstaunlich viel Liquidität erfordern, besonders natürlich, wenn das Geschäft sehr gut läuft. Normalerweise ist es nicht ein so grosses Problem, in dieser Situation Geldmittel zu finden, aber Sie müssen natürlich trotzdem einen Businessplan und Budgets, Szenarienrechnungen und viele weitere Dokumente bereit haben, um einen Kredit zu erhalten.
Rechnen Sie das Minimalszenario für mindestens zwölf Monate und versuchen Sie, so zu planen und vorzugehen, dass Sie zu jedem Zeitpunkt noch ausreichend Liquidität für weitere drei bis sechs Monate haben. Das bedeutet natürlich, dass Sie zu jedem Zeitpunkt – egal, wie gut oder schlecht es dem Unternehmen geht –, Ihren Finanzbedarf kennen sollten und versuchen sollten, sich der effektiv verfügbaren Liquidität anzupassen. Oder natürlich frische Liquidität zu beschaffen.

