Weitere wichtige Businessplantipps aus der Praxis
Letzte Woche durfte ich wieder einmal einen interessanten Businessplan durchlesen zur Geschäftsidee "spezialisierte Planung und Durchführung von Grünflächen". Insgesamt ein sehr gutes Werk, aber leider trifft man immer wieder auf dieselben Fehler, die da wären:
1. Nicht immer stringent
- Beispielsweise wurde beim Kapitel Personal beschrieben, dass unmittelbar nach der Gründung Personal eingestellt werden soll. Aber in der Erfolgsrechnung ist kein zusätzlicher Lohnposten (ausser jene der beiden Gründenden) aufgeführt.
Tipp: Die Personaleinstellung nicht in zeitlicher Hinsicht, sondern von den Umsatzzielen abhängig machen oder mit Freelancern arbeiten.
- Das Gründerteam will die Ausführungen externen Leuten anvertrauen und hat richtigerweise in der Risikobeurteilung die entsprechenden Versicherungen, die abzuschliessen sind, aufgeführt. Nur: Diese Versicherungskosten sind ebenso wenig in der Erfolgsrechnung auffindbar, dabei ist das ein nicht zu unterschätzender Aufwand!
Tipp: Vorgängig bei Versicherungen Offerten einholen, damit die Kostenstruktur möglichst genau wiedergegeben wird.
2. "Wucher"- oder Hungerlohn
- Oft verzichten die Gründenden im ersten Jahr auf Lohn oder bezahlen sich proportional zu viel (> 2x je CHF 10‘000 bei einem Gesamtjahresumsatz von CHF 120‘000) oder zu wenig (< CHF 3000) monatlich aus. Das erscheint eher unrealistisch. Besser einen realistischen Lohn mit einkalkulieren oder wenn man schon möglichst tiefe Löhne auszahlen will, um die Liquidität während des Jahres zu schützen, eine Art erfolgsabhängigen Bonus Ende Jahr miteinkalkulieren, sofern der Umsatz stimmt. Im vorliegenden Businessplan wurde auch die Miete mit CHF 500 monatlich veranschlagt; es steht aber nirgends im Businessplan, ob ein Homeoffice oder ein Ladengeschäft geplant ist. Je nachdem ist der Zins zu hoch oder zu niedrig.
Tipp: Sie müssen die Kostenseite (private und berufliche) realistisch darstellen, um diese in der Umsetzung auch in den Griff zu bekommen. Wenn Ihr Businessplan fertig ist, drucken Sie Ihre Finanzzahlen aus und legen diese beim Durchlesen des BP neben an und kontrollieren, ob sich Ihre Aussagen dort wiederfinden.
3. Schwierigkeiten aus dem Weg gehen
- Schon wieder wurde die Mittelflussrechnung einfach weggelassen. Dieses "Konstrukt" mag für Laien schwer verständlich und umso mühsamer zu erstellen sein . Aber sie gehört zu 100% in jeden Businessplan. Es geht um die wichtige Liquiditätsplanung und - kontrolle. Ohne jederzeitige Zahlungsbereitschaft ist ein Geschäft in der Existenz bedroht. Und weil weder die Bilanz noch die Erfolgsrechnung Aufschlüsse über die Ursachen von Liquiditätsveränderungen während einer Geschäftsperiode liefern können, brauchts diese.
Tipp: Sie können als Vorbereitung gut selber mal einen Liquiditätsplan erstellen, wo Sie sich überlegen, mit welche Einnahmen und Ausgaben in welchem Monat zu rechnen ist. Zusammen mit den Daten der Bilanz und der Erfolgsrechnung können Sie Hilfe in der Erstellung der Mittelflussrechnung in Anspruch nehmen. Füllen Sie diese Lücke, sonst könnte es vor dem Kapitalgeber peinlich werden, vor allem wenn einer der Verfasser/-innen im eigenen Kompetenzportfolio im Businessplan die Buchhaltung des Geschäfts alleine übernehmen will.
- Beim Kapitel Risiko wurden zwar die wichtigsten endogenen und exogenen Risiken erkannt, doch es sollte nicht bei der einfachen Benennung bleiben. Versuchen Sie, die Risiken zu gewichten nach Eintrittswahrscheinlichkeit (tief bis hoch) und Auswirkungen (unwesentlich bis gravierend).
Tipp: Wer eine Vorlage zur Risikobeurteilung braucht, kann diese kostenlos bei mir direkt via E-Mail oder über den Kommentar anfordern.
4. Wie verkaufen wir unsere Idee?
- Es fehlte gänzlich eine Verkaufsplanung oder ein Akquisitionsplan. Das wäre nicht nur für die Autoren wichtig, sondern auch für den Businessplanlesenden. So kann ein Dritter erkennen, ob Sie die personellen Ressourcen realistisch eingeschätzt haben und ob Sie überhaupt den geplanten Umsatz erreichen können mit den verfügbaren Mitteln.
Tipp: Auch für Sie als Autor ist es wichtig, zu wissen, wie viele Kunden Sie im Tage benötigen, um den Umsatz zu erreichen, bzw. ob Sie die benötigte Kundenanzahl überhaupt bewältigen könnten! Es ist für Businessplanlesende auch wichtig, zu sehen, wie Sie die Kundengewinnung angehen wollen. Sollten Sie sich hierbei überschätzt haben, ist es umso wichtiger, vor dem Start entsprechendes Feedback zu bekommen, denn das passiert den Meisten!
5. Low-Budget-Marketing
- Das Marketingbudget pro Jahr wurde in der Erfolgsrechnung mit CHF 8000 pro Jahr angegeben. Sofern die Massnahmen daran angepasst sind, kann das durchaus funktionieren. Aber wenn man den Ablaufsplan der Eröffnungsfeier alleine anschaut, dürfte diese Feier alleine das ganze Jahresbudget „auffressen".
Tipp: Lassen Sie Ablaufspläne eventueller Feste lieber weg und erstellen Sie dafür einen sauberen Marketingaktionsplan, wo man sieht, was für Marketingmassnahmen Sie wann zu welchen Kosten machen wollen. Ein einfaches Excelsheet reicht vollends aus.
6. ROI
Zwar sind die Gründungswilligen des erwähnten Businessplans nicht auf der Suche nach Fremdkapitalgebern. Aber auch folgendes geht oft vergessen, weshalb ich dies der vollständigkeits halber hier aufführen: Wenn Sie mit Ihrem Businessplan Kapitalgeber gewinnen wollen, vergessen Sie keinesfalls, genau zu bennen, wie hoch Ihr Finanzierungsbedarf ist (und weshalb), wo Ihr Commitment liegt (bzw. werden Sie persönlich in das Geschäft investieren?), wie mögliche Exitstrategien aussehen könnten und mit welchen Renditen der potentielle Kapitalgeber rechnen darf (DAS sind die eigentlichen Lockstoffe für Investoren und nichts anderes).
Die beiden Autoren haben zum ersten Mal einen Businessplan geschrieben, der auf Anhieb zu 90% gelungen ist. Die beiden Damen machen es goldrichtig: Man sollte sich vorgängig Rat holen (mit einer Vertraulichkeitsklausel, damit niemand die Idee kopiert), und erst dann zum Kapitalgeber gehen, wenn alles hieb und stichfest und auch von einem gesunden Menschenverstand plausibel erscheint.
Tipp: Suchen Sie sich mehrere Ratgeber (Spezialisten, aber auch Laien) aus und nutzen Sie deren Feedback. Oder nehmen Sie an einem Businessplanwettbewerb teil; auch da gibt’s wertvolle und kostenlose Inputs. Mehr zum Thema Businessplan erfahren Sie an unserem Kurstag am 25. September 2010, wenn Sie mögen.
- 0 Kommentare


Mein Kommentar