Selbständigkeit als Nebenerwerb?
Es gibt immer mehr Gründungswillige, die die Sicherheit ihres festen Arbeitsplatzes zunächst nicht aufgeben wollen und parallel dazu eine Firma gründen. Die Hauptmotivation liegt darin, dass die Selbständigkeit zuerst in einer Art „Testphase" überprüft werden soll hinsichtlich dessen Umsetzbarkeit und Erfolgsaussichten. Dieser Einstieg in die Selbständigkeit ist durchaus zu empfehlen. Eine Abwägung einiger Vor- und Nachteile ist folgend aufgelistet:
Vorteile:
- Risikominimierung, da weiterhin ein regelmässiges Einkommen generiert wird
- Der Gewinn aus der Selbständigkeit muss den Lebensunterhalt (noch) nicht vollständig decken. Das verschafft dem Gründenden etwas Zeit
- Meistens wird mit wenig Startkapital und geringen Fixkosten gestartet. Dies ermöglicht einen Rücktritt für den Fall, dass die Idee nicht umgesetzt werden kann, ohne grosse Verluste erleiden zu müssen
- Meistens starten Nebenerwerbsselbständige erst mal in Form einer Einzelfirma. Das ist günstig, unkompliziert und bedarf anfangs lediglich der Anerkennung der SVA von Beginn an
- Im Nebenerwerb erzielte Einkünfte bis zu CHF 2'200 pro Jahr sind nicht AHV-beitragspflichtig (AHV / IV / EO)
- Der Sprung ins kalte Wasser wird abgefedert, weil man sich an das unregelmässige Einkommen aus der Selbständigkeit schon etwas gewöhnen kann
- Der Testlauf liefert zumindest verwertbare Indikatoren, ob es sich lohnt, immer mehr Zeit in die Selbständigkeit zu investieren oder nicht. Alleine die Auftragslage / die Nachfrageentwicklung kann diese Frage (mit)beantworten. Sollte an der Idee gar nichts dran sein, dann sollte sich das bereits in der Testphase zeigen.
Nachteile:
- Eine Reduktion auf eine Teilzeitstelle ist mit Einkommensbussen zu verbinden (die privaten Fixkosten müssen weiterhin gedeckt werden können) und nicht jede Arbeitgebende ist mit einer Reduktion des Arbeitspensums einverstanden
- Will man sich auf demselben Gebiet wie im Anstellungsverhältnis selbständig machen, kann eine Konkurrenzverbotsklausel das Vorhaben hindern oder verunmöglichen. Achtung, diese Konkurrenzverbote gelten oft auch über die Dauer des Arbeitsverhältnisses hinaus
- Auch als Selbständige/r im Nebenwerb sind Sie verpflichtet, direkt auf diesem Einkommensteil Sozialversicherungsabgaben abzurechnen. Das geht oft bei der Planung vergessen.
- Der 150% Einsatz kann (noch) nicht geleistet werden; insofern ist es schwierig, mit 50% Einsatz zu beurteilen, ob die Idee erfolgreich sein wird bei erhöhtem Einsatz.
- Falls Sie unerwartet rasch an die Kapazitätsgrenzen stossen sollen, weil die Selbständigkeit im Nebenerwerb derart gut läuft, kann das zu überstürzten Handlungen oder Fehlallokationen von Ressourcen führen (unüberlegte Kündigung, Überteuerte Kreditbeschaffung, Vernachlässigung des Teilzeitjobs, Vernachlässig der Kunden/Projekte aus der Selbständigkeit, keine Zeit für rollende Akquisitionen, Familie vernachlässigen,..)
- Der „Switch" auf die vollständige Selbständigkeit verzögert sich und das auf Kosten wertvoller Zeit für eine Marktbearbeitung, welche die vollste Aufmerksamkeit des Jungunternehmenden erfordert.
- Die Gefahr von Markteintritten durch Konkurrenz, welche von Beginn an alles geben, erhöht sich.
Trotz möglicher Nachteile empfehle ich den meisten ratsuchenden Teilnehmenden, sich die Selbständigkeit im Nebenwerb genauer anzuschauen (je nach Geschäftsmodell): Die Plausibilitätsprüfung ist unabdingbar und in der Theorie schwierig durchzuführen. Das regelmässige Einkommen stabilisiert zumindest die privaten Kosten und wenn in der Selbständigkeit alles Drunter und Drüber gehen sollte (oder eben gar nicht), ist das Fixeinkommen rein psychologisch für Jungunternehmende eine wichtige Konstante. Ganz entscheidend dünkt mich das Abtasten, ob man/frau sich als Unternehmer/in wohl fühlt, bzw. ob sich bereits in der Testphase unternehmerische Qualitäten zeigen. Denn wenn das nicht der Fall sein sollte, nützt die beste Geschäftsidee nichts. Es steht und fällt mit dem Jungunternehmenden, der sie umsetzen will.
Weitere Infos: http://www.gruenden.ch/im-Nebenerwerb.32.0.html?&L=p%3BL%3D
- 1 Kommentare


Norbert
Presse, Presseverteiler
Auch wir haben vor einiger Zeit in die Selbstständigkeit gewagt und sind immer noch dabei alle weiter aus- und aufzubauen. Das allerdings in Vollzeit, was wiederrum die benötigte Zeit zur Verfügung stellt.
Gruss
Norbert