Haben es Frauen wirklich schwerer im Business?
Vorgestern Abend hatte ich im Rahmen eines Referatsmandates an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich das Thema weibliches Unternehmertum angeschnitten bei der Abschlussklasse der Kommunikationsspezialist/-innen. Die Bilanz der Diskussion fiel vorerst ernüchternd aus. Wie es scheint, haben es Frauen immer noch viel schwerer, sich gegen ihre männlichen Mitstreiter und Kollegen zu behaupten.
„Ich muss doppelt um die Akzeptanz meiner männlichen Kollegen kämpfen und werde kritischer beurteilt", meinten gleich mehrere Damen im Einklang. Die Meinungen um die Ursache hierfür gingen auseinander: Während Einige meinten, dass ein „veraltetes" Frauenbild eher von erfahrenen männlichen Kollegen ausgehe, meine eine andere Dame, dass sie selber Frauen ebenfalls weniger zutraut als Männern. Wenn man zu diesem Thema etwas recherchiert, zieht das „Misstrauen" gegenüber berufstätigen Frauen, insbesondere von Unternehmerinnen weite Kreise und scheint sich leider oftmals zu bestätigen:
Eine Studie der Harvard Universität konnte beispielsweise empirisch nachweisen, dass Unternehmerinnen für Ihre Bankkredite durchschnittlich 0.29% mehr bezahlen müssen. Obschon keine Zahlen für die Schweiz vorliegen, geht man laut einem Interview in der NZZ mit einer Professorin der ETH Zürich davon aus, dass die Situation hierzulande ähnlich sei. Das Bundesamt für Statistik (BFS) und das Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) belegen in einer Broschüre, dass die Zahl der berufstätigen Frauen im Laufe der letzten 20 Jahre markant zugenommen hat. In Schweizer Betrieben verdienen Frauen aber immer noch im Durchschnitt 24% weniger als ihre männlichen Kollegen. Dies geht aus einer Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) in Zusammenarbeit mit der Universität Bern hervor. Eine kurzfristige Lösung, wie diesem Misstrauen entgegen gewirkt werden kann, gibt es nicht. Glücklicherweise hilft jede erfolgreiche Unternehmerin mit, das Bild der modernen Frau mitzugestalten. Der Hebel für etwas mehr (Selbst)vertrauen müsste aber viel früher angesetzt werden und sollte bereits auf der Erziehungsstufe bei Kindern implementiert werden.
Eine andere Wortmeldung am Montagabend brachte zum Ausdruck, dass die Business-Spielregeln immer noch überwiegend „männlich" geprägt seien und dass nicht jede Frau mitspielen kann (oder will), weil sie andere Prioritäten setze. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) wird gemäss einer letztjährigen Studie der Universität St.Gallen jede vierte Firma von einer Frau gegründet, womit die Schweiz über dem internationalen Durchschnitt liegt. Interessanterweise haben sich auch in dieser Diskussionsrunde mehr Frauen als Männer für das Unternehmertum interessiert. Das lässt hoffen, dass die Gründungsquote von Frauen künftig steigen wird. Dies wäre zumindest eine Möglichkeit, bis zu einem gewissen Grad eigene „Spielregeln" zu generieren.
Einer weiteren Dame fiel auf, dass Frauen viel zu lange nachgrübeln, bevor sie handeln. Das trifft bestimmt zu, das hat aber den positiven Effekt, dass weibliche Entscheide und Gründungen oft nachhaltiger sind (Frauen müssen seltener Konkurs anmelden als männliche Gründer). Sie sind vorsichtiger und klären Risiken oft gründlicher ab, bevor sie Entscheide fällen.
„Wer Karriere machen will, muss kämpferische Attribute einsetzen, muss auf sich aufmerksam machen, muss beißen können – egal ob Frau oder Mann", meinte ein Herr aus der Diskussionsrunde. Und dem konnten alle zustimmen. Egal ob man sich für eine Karriere im Angestelltenverhältnis oder für das Unternehmer/-innentum entscheidet, es ist gleichermassen schwierig, sich durchzusetzen, sich zu behaupten und nachhaltige Erfolge aufzubauen. Für die Förderung der Schweizer Wirtschaft sind natürlich männliche wie auch weibliche Gründer/-innen gleichermassen wichtig. Bei den Frauen braucht es einfach mehr Mut, mehr Selbstvertrauen, um sich durchzusetzen und da könnte mehr getan werden, um die weiblichen Gründungswilligen stärker zu motivieren. Das scheint aber nicht einfach zu sein: Generell hört man oft (und auch vergangenen Montag war deutlich zu spüren), dass Frauen keine Sonderbehandlung wünschen, sondern eine Gleichbehandlung anstreben.
Quellen:
Studie der Harvard Universität von Prof. Alberto Alesina
Pressemitteilung zur Studie der Universität St. Gallen
Studie des BASS der Universität Bern
Pressemitteilung "Das Überleben junger Firmen"
Broschüre "Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frau und Mann"
KMU Portal mit weiterführenden Links
Adressen für Jungunternehmerinnen
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